TikTok-Marketing: Wie virale Hits Recruiting und Branding revolutionieren

Ein Altenheim auf TikTok? Was zunächst ungewöhnlich klingt, hat sich für den Betreiber Stella Vitalis als echter Recruiting-Hebel erwiesen. Unter dem Account @krassaltenheim zeigen Bewohner und Pflegekräfte humorvoll den Alltag im Heim – und erreichen damit Millionen. Finn Lorenzen (Finnel) und Andre Braun, Gründer der Agentur Virral, erklären im Interview, warum „Trial and Error“ auf TikTok wichtiger ist als eine perfekte Hochglanz-Produktion.


Highlights: Das Wichtigste im Überblick

  • Recruiting-Power: @krassaltenheim erhielt nach nur 24 Stunden über 80 Bewerbungen und knackte nach fünf Videos die Marke von 100.000 Followern.
  • Authentizität schlägt Hochglanz: Ein Smartphone reicht für den Anfang völlig aus; echte Emotionen und Ü80-Creators sorgen für den Überraschungseffekt.
  • Niedrige Hemmschwelle: Bewerbungsprozesse via TikTok müssen einfach gestaltet sein (Link in Bio mit Vorfilter-Funnel) und ohne sofortige Unterlagen funktionieren.
  • Besucher-Fokus: Beim Account @diemall (Dreiländergalerie) stehen die Besucher im Mittelpunkt, die mit Geschenken und Challenges überrascht werden.
  • Plattform-Verständnis: TikTok-Content braucht kein langes Intro; Informationen sollten schnell und unterhaltsam auf den Punkt kommen.

Case Study: Krass Altenheim – Recruiting mit Herz

Die Geschichte von @krassaltenheim begann mit einem akuten Personalmangel. Statt klassischer YouTube-Videos setzten die Macher auf Comedy und nahbare Einblicke. Das Ergebnis war überwältigend: Das erste Video erzielte direkt 2,4 Millionen Views. Überraschend war vor allem die Offenheit der Senioren, für die die regelmäßigen Drehtage mittlerweile ein monatliches Highlight im sonst oft eintönigen Alltag darstellen. Der Kontrast zwischen „alten Menschen“ und der modernen TikTok-Welt schafft eine enorme Aufmerksamkeit, die nicht nur Reichweite bringt, sondern auch junge Menschen für Pflegeberufe begeistert.


Rekrutierung über den TikTok-Funnel

Damit die Viralität auch in Einstellungen mündet, ist ein optimierter Funnel entscheidend. Sobald die 1.000 Follower erreicht sind, wird ein Link in die Bio platziert. Dieser leitet Interessierte durch gezielte Fragen (Qualifizierung, Standort), statt direkt nach einem Lebenslauf zu fragen. Da Nutzer TikTok mobil konsumieren, haben sie meist keine Unterlagen zur Hand. Die Seite muss die Bewerber abholen und den Erstkontakt so einfach wie möglich gestalten. Der Kunde musste sein HR-Team aufgrund der Flut an Bewerbungen sogar massiv ausbauen.


Case Study: @diemall – Branding durch Besucher-Interaktion

Für die Dreiländergalerie in Weil am Rhein wählte Virral einen anderen Ansatz. Da Mitarbeitende über viele verschiedene Marken verstreut sind, rückten die Besucher ins Zentrum. Einmal im Monat werden Leute im Center angesprochen und spontan in Videos eingebunden. Kleine Geschenke und Challenges sorgen für Sympathie und fast jedes Video erreicht über eine Million Aufrufe. Das Branding war so erfolgreich, dass der Name des Centers zum Meme auf der Plattform wurde und zusätzlich tausende Follower auf YouTube Shorts generierte.


Tipps für den Start mit Vertical Video

Unternehmen, die mit Kurzvideos starten möchten, sollten laut Finn Lorenzen einfach anfangen und sich nicht zu viele Gedanken über technische Perfektion machen. Wichtig ist die Nutzung plattform-eigener Elemente (wie Schriften), um nativ zu wirken. Content-Recycling von anderen Kanälen (z. B. YouTube-Videos 1:1 posten) führt selten zum Erfolg. Am Ende zählt nur eines: Die Menschen müssen unterhalten werden und Emotionen spüren, damit sie bis zum Ende zusehen und interagieren.


Fazit: Jedes Unternehmen hat virales Potenzial

Ob Bäckerei, Altenheim oder Einkaufszentrum – Finn und Andre sind überzeugt, dass jeder Betrieb etwas „Cooles“ hat, das viral gehen kann. Der Schlüssel liegt darin, Unternehmen mehr Freiheiten zu lassen und der Community zuzuhören. Viralität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von ständigem Testen, Analysieren und dem Mut, echte Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

Quelle: SocialHub Mag #21


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