BroSieben: Wenn ein TV-Sender zur Meme-Brand wird

Dario Ciraulo lebt Social Media Culture und Meme Marketing. Als Experte für Vertical Video ist er der strategische Kopf hinter den Accounts von ProSieben. Mit der fiktiven Persona „BroSieben“ hat er den Social-Media-Auftritt des Senders revolutioniert. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum Threads für ihn wie „TikTok in Textform“ ist und wie modernes Community Management heute funktioniert.


Highlights: So funktioniert BroSieben

  • Die Persona: BroSieben ist ein frecher Gen-Z-Admin, der mit dem offiziellen ProSieben-Account macht, was er will. Er fordert Gehaltserhöhungen, macht sich über die eigene TV-Werbung lustig und nimmt andere Brands aufs Korn.
  • Community First: Die Strategie bricht bewusst mit klassischen Kommunikationsmustern. ProSieben agiert auf Threads nicht als Corporate-Brand, sondern als aktiver Teil der Internetkultur.
  • Minimaler Zeit-Invest: Im Gegensatz zu aufwendigen Video-Produktionen lassen sich Text-Posts und Kommentare auf Threads extrem schnell realisieren und später via Instagram-Reshare recyceln.
  • Virale Kommentare: Die Sichtbarkeit wird auf Threads stark durch kluge, humorvolle Antworten unter fremden Posts generiert. Ein starker Kommentar kann innerhalb von Stunden Hunderte neue Follower bringen.
  • Die Ich-Perspektive: Das Kommunizieren aus der "Ich"-Sicht macht den anonymen Brand-Account nahbar und schafft eine direkte Verbindung zur Nutzerschaft.

Vom „Worst Practice“ zum viralen Hype

Die Entstehungsgeschichte von BroSieben ist aus der Not heraus geboren. Laut Dario Ciraulo war der TikTok-Kanal von ProSieben anfangs ein "Worst Practice", der lediglich lineare TV-Inhalte verwertete und kaum Views generierte. Nach einer Analyse von erfolgreichen Entertainment-Brands (wie Duolingo oder Ryanair) gab es einen radikalen Strategie-Shift hin zu einer Inhouse-Gen-Z-Brand. Der Erfolg war gigantisch: Virale Kommentare wurden zu eigenen Trends und verhalfen dem Account zu über einer halben Million Followern. Diese erfolgreiche TikTok-Strategie wurde schließlich nahtlos auf Threads übertragen.


Erfolgsmessung abseits von Conversions

Auf Threads geht es ProSieben nicht um Abverkäufe oder Traffic für Online-Shops. Dario betont klar: "Threads ist KEIN Conversion-Kanal." Der Erfolg wird stattdessen an Impressions, Sentiment (Stimmung der Community) und Earned Media durch User-Generated Content gemessen. Ziel ist es, den "Social Buzz" zu steigern und die Markenwahrnehmung in jungen Zielgruppen zu verbessern, die klassisches lineares Fernsehen oft gar nicht mehr konsumieren.


3 Tipps für erfolgreiches Threads-Marketing

  1. Keine PR-Meldungen: Veröffentlicht keine steifen Unternehmens-Updates oder platte Angebotskommunikation.
  2. Selbstironie zeigen: Marken dürfen (und sollten) sich als Entertainer sehen. Habt den Mut, außerhalb der Corporate-Grenzen zu denken.
  3. Social Listening is King: Die Kommentarspalte ist eine Goldgrube. Hört der Community zu und entwickelt daraus eure Content-Ideen und "Running Gags".

Best Practice: Wenn die Community den Content schreibt

Wie gutes Community-Involvement aussieht, zeigte BroSieben bei der Ankündigung der TV-Show „Schlag den Star“. Das Team bat die Follower um klischeehafte Ü40-Wörter. Die Begriffe (wie "Heureka", "Firlefanz" oder "Sportsfreund") wurden anschließend gesammelt im Post für die Show verbaut. Solche spielerischen Challenges machen die Follower zu einem aktiven Teil des Kanals und garantieren hohe Interaktionsraten.

Quelle: SocialHub Mag #25


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