Social Media für die Kleinstadt: Authentisch, nahbar und effizient

Gutes Social Media für eine Stadtverwaltung erfordert kein riesiges Team oder ein Millionenbudget. Das beweist Julia Scherer-Lupp, Pressesprecherin und Social-Media-Managerin der Stadt Taunusstein. Seit ihrem Start im Jahr 2020 hat sie die Kommunikation der 30.000-Einwohner-Stadt grundlegend transformiert – von der reinen Veröffentlichung von Pressemitteilungen hin zu einem lebendigen, dialogorientierten Austausch mit den Bürgern.


Highlights: Die Taunusstein-Strategie

  • Inhouse & Low Budget: Alles wird intern produziert; das Start-Equipment bestand lediglich aus einer Kamera und einem Mikrofon.
  • Bürgermeister-Updates: Ein wöchentliches Videoformat, in dem der Bürgermeister Beschlüsse und Themen frei und nahbar erklärt.
  • Krisenkommunikation: Während der Pandemie etablierte sich Social Media als primärer Kanal für schnelle Informationen und Sicherheit.
  • Mut zum Humor: Eine Klopapier-Aktion (ursprünglich ein Aprilscherz) sammelte fast 30.000 Euro an Spenden und sorgte für enormes Medienecho.
  • Prozess-Optimierung: Verzicht auf komplexe Freigabeschleifen zugunsten von Schnelligkeit und tagesaktueller Relevanz.

Authentizität schlägt Hochglanz

Ein zentraler Erfolgsfaktor der Stadt Taunusstein ist der bewusste Verzicht auf Agentur-Produktionen. Hochglanz-Videos würden in einer Kleinstadt eher zu Irritationen und Fragen nach der Verwendung von Steuergeldern führen. Der „handgemachte“ Content wirkt authentischer und zahlt direkt auf das Ziel einer bürgerfreundlichen Verwaltung ein. Entscheidend ist dabei nicht die Technik, sondern ein durchhaltbares Konzept.


Kanäle im Fokus: Facebook und Instagram

Obwohl Instagram an Bedeutung gewinnt, bleibt Facebook für die Kommunikation mit der Stadtgesellschaft unverzichtbar. Hier findet der inhaltliche Tiefgang statt, während Instagram vor allem durch positive Rückmeldungen in den Stories und gut performende Reels punktet. Das Team betreibt zudem ein proaktives Community Management, indem es auch in lokalen, nicht-städtischen Facebook-Gruppen präsent ist, um Fragen der Bürger direkt zu beantworten.


Wissensaustausch: Podcasts und „Amtshelden“

Da der Bedarf an Erfahrungsaustausch im öffentlichen Dienst riesig ist, hat Julia Scherer-Lupp zwei Projekte initiiert:

  • Podcast „Kleinstadtniveau“: Ein Austauschformat für Behörden-Social-Media-Manager über Tools, Prozesse und Hürden im Amt.
  • Smartlearning „Amtshelden“: Ein 12-wöchiges Programm für Peer-Group-Learning, bei dem Mitarbeitende aus verschiedenen Behörden gemeinsam Social-Media-Konzepte erarbeiten und praktische Content-Erstellung üben.

Fazit: Einfach machen und Vertrauen aufbauen

Erfolgreiches Social Media im öffentlichen Dienst braucht vor allem die Rückendeckung der Hausleitung und das Vertrauen in die Verantwortlichen. Taunusstein zeigt, dass man mit Mut zum Experimentieren und einem klaren Blick auf die Bedürfnisse der lokalen Zielgruppe auch mit geringen Mitteln eine enorme Reichweite und hohe Identifikation schaffen kann.

Quelle: SocialHub Mag #22


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