Zwischen Kriseneinsatz und Community-Love: Social-Media-Alltag bei der Polizei Hamburg

Früher war Polizeikommunikation vor allem eins: distanziert, sachlich und streng hierarchisch. Doch wer heute durch den Feed der Polizei Hamburg scrollt, begegnet Diensthunden in Insta-Stories, flapsigen Sprüchen auf TikTok und einer Community, die „ihre“ Beamtinnen und Beamten gegen Trolle verteidigt. Florian Bergmann, kommissarischer Leiter des Social-Media-Teams der Polizei Hamburg, nimmt uns im SocialHub Mag Behörden 2026 mit hinter die Kulissen der Behördenkommunikation.


Das Social-Media-Team der Polizei Hamburg

Das Team der Hamburger Polizei besteht aktuell aus vier Personen. Grundsätzlich wird eine polizeiliche Ausbildung sowie die Zugehörigkeit zum gehobenen Dienst vorausgesetzt. Ausnahmen bestätigen die Regel: Eine Stelle wurde speziell für eine ausgebildete Mediengestalterin im Polizeidienst (A7-Polizeimeisterin) geschaffen. Sämtliche Aufgaben – von der Krisenkommunikation bis hin zu Videodrehs und Kampagnen – werden vollständig inhouse abgewickelt.

Der Alltag spielt sich dabei häufiger am Schreibtisch ab, als viele denken. Eine datenschutzrechtliche Auflage schreibt ein 24/7-Monitoring aller Kommentare und Tags vor. Das Team deckt die Redaktionszeiten von 8 bis 18 Uhr per Früh- und Spätdienst ab, außerhalb dieser Zeiten übernimmt die speziell geschulte Polizeieinsatzzentrale.


Weg von der Obrigkeitskommunikation

Die Tonalität der Polizei Hamburg hat sich stark gewandelt. Zwar ist in Einsatzlagen und bei der Krisenkommunikation nach wie vor absolute Seriosität gefragt, doch zwischendurch dürfen auch Trends und Memes bedient werden. „Wenn jemand etwas Witziges schreibt, bekommt sie/er auch eine witzige Antwort“, erklärt Bergmann. Besonders auf TikTok ist der Ton deutlich lockerer. Dieser „Regionalbonus“ und der Einsatz von Hamburger Slang kommen bei der Community extrem gut an. Wenn es zu Anfeindungen kommt, springt oft die eigene Community ein und verteidigt die Polizei, noch bevor das Social-Media-Team selbst reagieren kann.


Die Plattform-Strategie der Hamburger Polizei

Die Behörde verfolgt eine klare kanalspezifische Strategie:

  • X (ehemals Twitter): Die Aktivitäten wurden stark reduziert. Der Kanal dient nur noch der nüchternen Informationsweitergabe (z. B. Zeugenaufrufe oder Fahndungen).
  • WhatsApp: Der neue Fokus-Kanal für Krisenkommunikation. Mit über 100.000 Followern bietet WhatsApp den Vorteil einer enormen Reichweite ohne Kommentar-Stress, da Nutzer nur mit Emojis reagieren können.
  • Instagram: Das absolute Herzstück. Hier wird die größte Bandbreite abgedeckt – von Einsätzen über Alltagskommunikation bis hin zu Präventionsthemen.
  • TikTok: Der einzige Kanal, auf dem aktives Recruiting betrieben wird. Die Tonalität ist locker, Gesichter werden gezeigt und Fragen der Community in Videos beantwortet.
  • YouTube: Künftig sollen hier wieder längere Doku-Formate (z. B. die Begleitung einer Schicht auf dem Streifenwagen) für mehr Transparenz sorgen.

Authentizität durch „Corporate Colleagues“ und Influencer

Das Social-Media-Team fährt nur selten selbst zu Großeinsätzen raus, um Content zu drehen. Die Inhalte stammen oft direkt von sogenannten „Corporate Colleagues“ – Kollegen im aktiven Dienst, die Bild- und Videomaterial aus ihrem Arbeitsalltag liefern (wie beispielsweise Diensthundeführerin Talli). Das verleiht den Beiträgen eine hohe Authentizität.

Zudem arbeitet die Polizei Hamburg punktuell mit externen Influencern zusammen. Eine Kooperation mit der Motorrad-Influencerin Alexia Mohr half beispielsweise dabei, Präventionsthemen an eine Zielgruppe zu bringen, die sich klassische Polizeibeiträge sonst nicht ansehen würde.

Quelle: SocialHub Mag Behörden 2026


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