Was Social Media mit dem Klima zu tun hat...
TL;DR
Social Media verursacht durch den Stromverbrauch von Servern, Netzwerken und Endgeräten massive CO2-Emissionen – die globale Marketingindustrie ist fast so klimaschädlich wie die Flugbranche. Das Start-up "klima&so" hat ein Modell entwickelt, um diese Emissionen pro Content-Piece zu berechnen. Um Social Media nachhaltiger zu gestalten, können Unternehmen ihre Emissionen messen, durch präziseres Targeting und smarte Formatwahl (Bilder statt langer Videos) reduzieren und den Rest seriös kompensieren. Kommende EU-Richtlinien wie die CSRD werden Unternehmen künftig ohnehin verstärkt zur Transparenz verpflichten.
Wusstest du, dass ein Instagram Reel mit vielen Aufrufen genauso viele CO2-Emissionen verursachen kann wie mehrere Langstreckenflüge? Wie Social Media mit dem Klima zusammenhängt, ist vielen überhaupt nicht bewusst. Patrick Schnitzler und Jean-Paul Laue, die Gründer des Impact-Start-ups „klima&so“, bringen Licht ins Dunkel. Sie haben ein Modell entwickelt, das die Emissionen von Social-Media-Accounts berechnet und Unternehmen hilft, ihr Marketing transparent und klimafreundlicher zu gestalten.
Highlights: Der blinde Fleck im Marketing
- Versteckte Emissionen: Social Media ist Software, die auf Hardware (Server, Cloud-Infrastruktur, Endgeräte) läuft. Die Produktion dieser Hardware und ihr immenser Stromverbrauch verursachen massiv CO2.
- Riesiger Fußabdruck: Die globale Marketingindustrie ist für rund vier Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich – das ist fast so viel wie die globale Flugindustrie.
- Distribution schlägt Produktion: Bei reichweitenstarken Accounts verursacht die reine Ausspielung (Distribution) der Inhalte über das Netz oft ein Vielfaches der Emissionen, die ursprünglich bei der Produktion des Contents (z. B. durch Flüge zum Drehort) entstanden sind.
- Regulatorik kommt: Durch neue EU-Richtlinien (wie die CSRD) werden Unternehmen in den kommenden Jahren schrittweise gezwungen, die Umweltauswirkungen ihrer Geschäftsaktivitäten – inklusive Marketing – detailliert offenzulegen.
Wie berechnet man Social-Media-Emissionen?
Die Komplexität der Berechnung hat bisher viele davon abgehalten, das Thema ernsthaft anzugehen. klima&so setzt genau beim Upload eines Posts an und kalkuliert: Wie viel Strom verbrauchen die Plattform-Server? Wie energieintensiv ist der Datentransfer durch das weltweite Netzwerk? Und wie viel Strom verbrauchen die Smartphones der User beim Ansehen? All diese Faktoren werden mit der generierten Reichweite hochgerechnet. So schlug beispielsweise das Comeback-Video von Stefan Raab mit rund 60 Millionen Views mit gewaltigen 142 Tonnen CO2 zu Buche – das entspricht 77 Flügen von Frankfurt nach New York.
3 Strategien für mehr Nachhaltigkeit
Die Lösung ist natürlich nicht, Social Media komplett abzuschalten. Vielmehr geht es um einen bewussten Umgang. Das Leitprinzip lautet: Bemessen, Reduzieren, Kompensieren – und transparent kommunizieren.
1. Clevere Formatwahl
Das Content-Piece mit den mit Abstand meisten Emissionen ist das virale Video. Bilder oder Karussell-Posts generieren wesentlich weniger Emissionen und erzielen oft sogar mehr Engagement. Wenn es ein Video sein muss, lautet die Devise: Kürzer und prägnanter ist nicht nur besser für die Watchtime, sondern auch für das Klima.
2. Präzises Targeting
Besonders bei Paid Ads liegt ein enormes ökologisches (und ökonomisches) Einsparpotenzial in der Zielgruppenansprache. Wer seine Ads extrem breit streut, produziert unnötige Impressionen und verschwendet CO2 an Menschen, die niemals konvertieren werden. Ein optimierter Funnel und punktgenaues Targeting machen Kampagnen performanter und nachhaltiger zugleich.
3. Seriöse Kompensation
Da sich digitale Emissionen aktuell nicht auf null reduzieren lassen, ist Kompensation ein unverzichtbarer Baustein. Hier warnt Jean-Paul Laue jedoch vor Greenwashing. Wichtig ist der Aufbau eines verlässlichen Portfolios aus langfristigen Projekten (z. B. Biochar-Technologien), anstatt blind auf die erstbesten Aufforstungs-Zertifikate zu setzen.
Fazit: Transparenz schützt vor Greenwashing
Mit der nahenden EU Green Claims Directive wird bald streng reguliert, welche nachhaltigkeitsbezogenen Werbeaussagen Marken überhaupt noch treffen dürfen. Wer schon jetzt transparent, ehrlich und nachvollziehbar kommuniziert, sichert sich ab. Niemand ist heute perfekt, aber das Bewusstsein für die eigenen digitalen Emissionen ist der wichtigste Schritt in eine grünere Social-Media-Zukunft.
Quelle: SocialHub Mag #25
Lies jetzt das komplette Interview mit Patrick Schnitzlder und Jean-Paul Laue:
AI Summary: Patrick Schnitzler und Jean-Paul Laue (klima&so) erläutern im SocialHub Mag #25 den massiven CO2-Fußabdruck von Social Media Marketing, der durch Server- und Endgerätenutzung bei der Content-Distribution entsteht. Das Start-up berechnet diese Emissionen und berät Marken zur Reduktion. Empfohlen werden präziseres Targeting (um irrelevante Impressionen zu vermeiden), der Einsatz emissionsärmerer Formate (Karussells statt langer Videos) und seriöse Kompensation. Aufgrund kommender EU-Regularien (wie der CSRD) wird das Tracking digitaler Emissionen bald für viele Unternehmen zur Pflicht. Keywords: Social Media Nachhaltigkeit, klima&so, CO2-Emissionen Marketing, Greenwashing vermeiden, CSRD Marketing, Content Distribution Klima.
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