Social Media im Krankenhaus: Authentisches Marketing der Barmherzigen Brüder Wien

Im Gesundheitswesen ist Kommunikation oft eine Herausforderung zwischen fachlicher Tiefe und menschlicher Nähe. Patrick Schlager, Leiter Marketing und Kommunikation am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien, zeigt, wie das älteste Ordensspital der Stadt diese Hürde meistert. Seit 2016 aktiv, hat sich der Bereich zu einem professionellen Marketing-Instrument entwickelt, das weit über reine Öffentlichkeitsarbeit hinausgeht.


Highlights: Das Wichtigste im Überblick

  • Mitarbeiter als Botschafter: Echte Geschichten aus dem Pflegealltag schaffen Vertrauen und fördern das Recruiting.
  • Niedrigschwelliger Dialog: Social Media ermöglicht eine schnelle, direkte Kommunikation und Aufklärungsarbeit, besonders in Krisenzeiten.
  • Social Fundraising: Durch emotionale Storys von Patienten und Mitarbeitern stiegen die Spendeneinnahmen um 20 %.
  • Hinter den Kulissen: Themen wie Nachhaltigkeit (Narkosegas-Recycling) und moderne Chirurgie wecken großes Interesse.
  • Internes Reporting: Erfolge werden aktiv im Team kommuniziert, unter anderem über eine „Wall of Fame“ im Speisesaal.

Recruiting und die Kampagne „Pflege ist mehr“

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist ein zentraler Treiber der Social-Media-Aktivitäten. Um junge Menschen für den Beruf zu begeistern, rief das Krankenhaus die multimediale Kampagne „Pflege ist mehr“ ins Leben. Ein entscheidender Teil dieser Strategie ist die Arbeit mit Corporate Influencern. Aus einem Pool von über 600 Mitarbeitenden meldeten sich zahlreiche Freiwillige, um als Job-Botschafter authentische Einblicke in ihren Alltag zu geben.

Dabei deckt das Team unterschiedliche Altersgruppen und Erfahrungsstufen ab – vom Quereinsteiger bis zur erfahrenen Pflegekraft. Die Botschaft: Man muss nicht religiös sein, um in einem Ordensspital zu arbeiten, solange man die gemeinsamen Werte respektiert. Diese Offenheit und Vielfalt werden über Plattformen wie Facebook und Instagram direkt an die Zielgruppe kommuniziert.


Aufklärung und medizinischer Content

Neben dem Personalmarketing spielt die Patientenaufklärung eine große Rolle. Das Klinikum nutzt die Kanäle, um die Angst vor Behandlungen zu nehmen und zu Vorsorgeuntersuchungen aufzurufen. Besonders erfolgreich sind Hintergrundgeschichten, die Außenstehende normalerweise nicht sehen, wie beispielsweise Einblicke in die Roboterchirurgie oder Maßnahmen zur CO2-Reduktion im Krankenhausbetrieb. Solche Inhalte positionieren das Spital als modernen und verantwortungsbewussten Gesundheitsversorger.


Social Fundraising: Erfolg durch ehrliche Geschichten

Ein besonderes Standbein ist das Social Fundraising. Jährlich versorgt das Krankenhaus etwa 15.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Die Finanzierung erfolgt über Spenden. In emotionalen Videos kommen Mitarbeitende und Patienten zu Wort, die von der Hilfe berichten. Dieser Ansatz hat nicht nur die Spendeneinnahmen innerhalb von zwei Jahren um 20 % gesteigert, sondern auch die Kosten für klassische Print-Mailings gesenkt. Zudem stärkt es das Employer Branding, da junge Fachkräfte gezielt nach Jobs mit gesellschaftlichem Sinn suchen.


Fazit: Social Media als strategisches Werkzeug

Für Patrick Schlager ist Social Media längst kein „Spaßkanal“ mehr, sondern ein essenzielles Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Der Erfolg des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Wien basiert auf dem Mut, den jüngeren Fachkräften zuzuhören und Mitarbeitende aktiv als Sprachrohr einzubinden. Wenn Kollegen stolz den Content teilen, ist das Ziel erreicht: Real-Content mit realen Menschen.

Quelle: SocialHub Mag #20


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