Social Media Manager: Unterschätzte Macht im Unternehmen

Auch im Jahr 2023 sind sich viele Unternehmen nicht bewusst, welche Auswirkungen Social Media auf ihre Kernbereiche hat. Sie unterschätzen systematisch das Potenzial der Kommunikation – und damit die Rolle der Menschen, die sie steuern. Ein fähiger Social Media Manager ist für die Außenwahrnehmung oft genauso wichtig wie ein CEO auf einer Fachveranstaltung. Peter Mestel, freier Berater für B2B- und Industrieunternehmen, erklärt im Interview, warum Social Media deutlich mehr ist als nur PR nach außen.


Highlights: Das Wichtigste im Überblick

  • Vertikaler Hebel: Social Media beeinflusst Vertrieb, Service und Produktentwicklung gleichermaßen.
  • Vom Cost zum Profit Center: Gut befähigte Teams generieren direkte Wertschöpfung, etwa durch gezielte Kundenschulung via Content.
  • Attributions-Dilemma: Da Abschlüsse oft dem Vertrieb zugeschrieben werden, müssen Social Media Manager die Vorarbeit ihrer Kanäle messbar machen.
  • Informelle Netzwerke: Erfolg entsteht dort, wo das Herz des Unternehmens schlägt – Social Media Manager müssen tief in die Fachabteilungen integriert sein.
  • Reifegradmodell: Die reine „verwaltete Präsenz“ generiert den geringsten Mehrwert bei hohem Aufwand.

Der Hebel quer durch alle Abteilungen

Gute Social Media Manager erzeugen oft mehr Reichweite als klassische Öffentlichkeitsarbeit. Während ein CEO durch Autorität wirkt, erzielt das Social-Media-Team Wirkung durch Frequenz. Im Vertrieb werden die weichen Faktoren kommuniziert, die oft kaufentscheidend sind. Im Service dienen die Kanäle als niedrigschwelliger Rückkanal und Backup, wenn klassische Wege versagen. Damit ist die Position im Organigramm oft viel mächtiger, als es die klassische Hierarchie vermuten lässt.

Ein praktisches Beispiel zeigt die direkte Wertschöpfung: Ein Fotodienstleister schult seine Kunden via Social Media in technischer Druckdatenaufbereitung. Dies verbessert die Qualität der eingehenden Daten und steigert direkt die Effizienz in der Produktion. Auch wenn solche Posts keine Rekord-Likes erzielen, ist ihr wirtschaftlicher Impact für das Unternehmen enorm.


Das Problem der Attribution lösen

Ein zentrales Hindernis ist, dass Social-Media-Erfolge oft nicht korrekt zugeordnet werden. Wenn Kunden aufgrund täglicher Tipps auf Instagram ein Produkt kaufen, wird der Abschluss meist dem Vertrieb gutgeschrieben. Peter Mestel rät daher zu Attributionsketten: Social Media Manager müssen zeigen, wie viele Downloads von Datenblättern oder Zugriffe auf Job-Seiten direkt über ihre Links erfolgten. Ein hilfreiches Werkzeug ist der „Media Value“ – der Vergleich der organischen Reichweite mit den Kosten, die eine entsprechende Anzeigenschaltung verursacht hätte.


Raus aus dem stillen Kämmerlein

Guter Content kann nicht isoliert entstehen. Er braucht Zugang zur Produktentwicklung, zur Fertigung und zum Service. Social Media Manager benötigen informelle Netzwerke im Unternehmen, um Storys dokumentieren zu können, bevor die offizielle Pressemitteilung erscheint. Der Idealzustand ist der „Social Media Storyteller“, der das Daily Business begleitet, statt mühsam Inhalte am Schreibtisch zu konstruieren. Dokumentieren ist immer einfacher und authentischer als Kreieren.


Fazit: Befähigen statt Verwalten

Unternehmen sollten ihre Social Media Manager stärker in das eigentliche Geschäft integrieren – etwa durch Praktika in der Fertigung oder Mitfahrten im Vertrieb. Die reine Verwaltung einer Präsenz ohne Rückkopplung zum Kerngeschäft kostet nur Ressourcen. Erst wenn „Social“ von Anfang an mitgedacht wird, wandelt sich der Bereich vom reinen Kostenfaktor zum strategischen Werttreiber für Marke, HR und Vertrieb.

Quelle: SocialHub Mag #20


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