Social Media 2030: The Future of Social

Unsere Social-Media-Welt befindet sich in einem radikalen Umbruch. Doch wie sieht der Arbeitsalltag für Social Media Manager im Jahr 2030 aus? Bleiben wir abhängig von den Algorithmen der USA und Chinas? Und wird die Content-Erstellung komplett von KI übernommen? Nemo Tronnier, Keynote-Speaker und Geschäftsführer von Social DNA, skizziert eine Zukunft, in der der Begriff „Social Media“ im Grunde ausgedient hat.


Von Social Media zu „Algorithmic Media“

Laut Nemo Tronnier befindet sich Social Media in einer komplett neuen Phase. War der Beginn noch vom „Social Graph“ (Vernetzung mit Freunden) geprägt, dominierte zuletzt der „Interest Graph“ (Algorithmen zeigen uns Inhalte nach Interessen, angetrieben durch TikTok). Aktuell nähern sich die Netzwerke immer stärker an Medien-, TV- und Distributionsplattformen an. Die Grenzen verschwimmen: YouTube und TikTok werden auf dem Fernseher konsumiert, während Netflix Community-Features integriert. Es entsteht ein globaler „Social-Media-Brei“, weshalb Tronnier den Begriff „Algorithmic Media“ für weitaus treffender hält.


Der unsichtbare KI-Layer und die Gated Communities

Der soziale Austausch verschwindet nicht, er verlagert sich lediglich in kleinere, geschlossene „Gated Communities“ (Messenger oder Nischen-Apps) – auf die Werbetreibende weitaus weniger Zugriff haben. Gleichzeitig wird sich Künstliche Intelligenz wie eine Art Basis-Layer über die gesamten Netzwerke legen. KI wird so essenziell wie Elektrizität; die strikte Trennung zwischen handgemachtem und KI-Content wird sich langfristig kaum noch aufrechterhalten lassen.


Renaissance des Persönlichen: Menschen folgen Menschen

Trotz Automatisierung wird der Faktor Mensch enorm wichtig bleiben. Wir erleben bereits jetzt, wie globale Megastars (wie Mr. Beast) immense Macht konzentrieren und langfristig sogar in Politik und Wirtschaft dominieren könnten. Auf der anderen Seite werden starke Nischen-Creator erfolgreich bleiben, deren sehr spezifischer Content nicht von internationalen Stars oder KI besetzt wird. Für Unternehmen ist das eine klare Botschaft: Wer austauschbare Produkte ohne echte Personalities vertreibt, wird verschwinden. Marken brauchen Gesichter, Corporate Influencer und starkes Storytelling, um in der schärferen Aufmerksamkeitsökonomie bestehen zu können.


Das Ende starrer Formate

Auch wenn Video aktuell dominiert, glaubt Tronnier, dass der Peak der extrem schnellen Kurzvideos bald erreicht ist – nicht zuletzt aufgrund einer alternden Gesellschaft, die nach ruhigeren und längeren Storytelling-Formaten verlangt. Die Zukunft gehört der „situativen Ausspielung“: Die Künstliche Intelligenz wird künftig entscheiden, ob ein Nutzer im jeweiligen Moment die Geduld für ein Video hat oder lieber einen schnellen Textbeitrag scannen möchte. Ein Thema wird mehrfach aufbereitet und von der KI individuell ausgespielt.


Wie sich Unternehmen auf 2030 vorbereiten müssen

Um in diesem Best-Case-Szenario erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen heute handeln:

  • Medienhaus-Mindset: Unternehmen müssen lernen, selbst wie Medienhäuser zu agieren (senden, distribuieren, Redaktionen aufbauen).
  • Gesichter zeigen: Investitionen in Personal Branding, Corporate Influencing und eine Social-CEO-Positionierung sind essenziell.
  • Team-Strukturen anpassen: Der Job des Social Media Managers wird noch wichtiger, aber ausdifferenzierter. Es braucht dedizierte Videoabteilungen, Content Creator, Performance-Spezialisten und umfassende KI-Schulungen für alle Mitarbeitenden.

Quelle: SocialHub Mag #30


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