Social Media für Behörden: Warum Facebook unverzichtbar bleibt

In der neuen Rubrik #Social_Amt beleuchtet Christiane Germann, Gründerin der Agentur amtzweinull, die brennendsten Themen der behördlichen Social-Media-Welt. Aktuell sorgt ein Thema für massive Verunsicherung: Sollen Verwaltungen ihre Facebook-Seiten aus Datenschutzgründen abschalten? Während die Datenschutzbeauftragten den Druck erhöhen, plädiert die Expertin für Pragmatismus und den Fokus auf den staatlichen Bildungsauftrag.


Highlights: Das Wichtigste im Überblick

  • Deutscher Sonderweg: Die Debatte um die Illegalität von Behörden-Seiten auf Facebook ist ein spezifisch deutsches Phänomen; in anderen EU-Ländern ist dies bei gleicher DSGVO kein Thema.
  • Krisenkommunikation: Der Staat muss dort sein, wo die Menschen sind. Facebook ist neben Twitter der wichtigste Kanal, um Bürger in Krisenzeiten schnell und zuverlässig zu erreichen.
  • Zielgruppen-Relevanz: Facebook erreicht über 30-Jährige jeder Bildungsschicht – von Eltern bis zu Rentnern – so effektiv wie keine andere Plattform.
  • Mastodon-Kritik: Die oft vorgeschlagene Alternative Mastodon hat derzeit kaum Relevanz für die breite Bevölkerung und dient eher einer Nische aus ITlern und Datenschutz-Fans.
  • Verhältnismäßigkeit: Rechtmäßiges Handeln der Verwaltung umfasst auch das Prinzip der Verhältnismäßigkeit – die Abschaltung ohne adäquaten Ersatz schadet der Bürgerinformation.

Warum Behörden an Facebook festhalten sollten

Viele Verwaltungen erhalten derzeit Schreiben ihrer Datenschutzbehörden, die zum Abschalten der Facebook-Seiten auffordern. Doch Christiane Germann hält dies für realitätsfern. Die Zeit, die Social-Media-Verantwortliche mit rechtlichen Stellungnahmen verbringen, fehlt für die eigentliche Arbeit: die Kommunikation mit dem Bürger. Sie empfiehlt Behörden, dem Vorbild des Bundespresseamts zu folgen und es im Zweifelsfall auf ein Gerichtsverfahren ankommen zu lassen, statt die digitale Bürgernähe aufzugeben.


Krisenzeiten erfordern Präsenz

Gerade in Zeiten multipler Krisen – von Energieversorgung bis hin zu Hochwasserlagen – ist gute Bürgerkommunikation wichtiger denn je. Die Menschen erwarten Erklärungen und Antworten dort, wo sie sich ohnehin aufhalten. Seit 2014 gilt Social Media im Bundesinnenministerium als unverzichtbar für die Krisenkommunikation. Der Algorithmus von Facebook spielt aktuelle Informationen zuverlässig aus, und die Kommentarfunktionen ermöglichen einen direkten, übersichtlichen Dialog.


Die Mär von den Alternativen

Die von Datenschützern oft als Alternative genannten Netzwerke wie Mastodon oder die Idee, eigene staatliche Netzwerke zu entwickeln, greifen in der Praxis zu kurz. Der Charme etablierter Plattformen liegt darin, dass Behörden-Infos zwischen privaten Posts von Freunden und Familie erscheinen und so auch Menschen erreichen, die nicht proaktiv nach Behörden-News suchen. Zudem wäre die Entwicklung eigener Apps ungleich teurer und würde am Ende kaum Nutzer anziehen.


Fazit: Bürgerkommunikation hat keine Zeit zu sterben

Behörden brauchen Facebook als Kanal, um ihren Informationspflichten nachzukommen. Ein Ausschluss des öffentlichen Dienstes von der Plattform ohne Not würde Deutschland bei der Digitalisierung weiter zurückwerfen. Christiane Germann betont: Wer auf Facebook aktiv ist, tut dies freiwillig. Es ist ein Mehrwert für die Bürger, Informationen dort beziehen zu können, statt mühsam auf Websites suchen zu müssen. In Krisenzeiten ist professionelle Kommunikation schlicht eine Frage der staatlichen Verantwortung.

Quelle: SocialHub Mag #20


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