Und plötzlich bist du die Brand, die's zu vermarkten gilt

Kennst du auch dieses Gefühl, wenn man auf LinkedIn durch seinen Feed scrollt und es nur drei Posts braucht, bis man schon keinen Bock mehr hat? „Ich hab 'nen Award gewonnen!“, „Mein 300. Marketing-Podcast ist online!“, „Ich bin jetzt Senior Strategic Thought Leadership Director of Content Synergies!“. Drei klassische LinkedIn-Posts später und der innere Kampf gegen das "Genug Internet für heute"-Gefühl wächst. Kolumnistin Lisa Merki geht im SocialHub Mag #29 dem Hype um das Personal Branding auf den Grund.


Von der Marke zum Gesicht

Unser Gewerk lebt davon, auf Zahlen zu starren und sich Tag und Nacht zu vergleichen. Wir arbeiten im Marketing und wissen genau, wie man Dinge im rechten Licht präsentiert (und manchmal auch aufbläst). Doch bringt uns das nicht an einen Punkt, an dem es wichtiger wird, unser Tun und unsere Wins überzubetonen, anstatt einfach gute Arbeit zu leisten?

Bisher war es unser Job, eine Brand zu vermarkten. Mittlerweile sind wir die Brand, die es zu vermarkten gilt. Corporate Influencing, Personal Branding und Thought Leadership versprechen bessere berufliche Chancen, mehr Anerkennung und Ruhm. Wir reden oft über die Vorteile von Corporate-Influencer-Programmen für Unternehmen – aber wie geht’s eigentlich den Menschen dahinter?


Die Angst vor der eigenen PR

Der Shift von der Arbeit hinter den Kulissen hin zur exponierten Persona in der Öffentlichkeit ist für viele ungewohnt. Einerseits haben insbesondere Frauen oft durch Sozialisierung gelernt, sich bescheiden zu geben und nicht zu prahlen. Produkte bewerben? Kein Problem. Uns selbst bewerben? Hell no, cringe.

Andererseits wird genau das nun erwartet. Zu den Unternehmensseiten kommt der eigene Performance-Druck hinzu. Wie werden wir wahrgenommen? Existieren wir überhaupt beruflich, wenn wir nicht darüber posten?


Kuratierte Authentizität statt echter Verletzlichkeit

Persönlicher als eine Personal Brand geht es kaum. Das bietet die Chance, nahbarer zu sein und echte Verbindungen aufzubauen. Der Nachteil: Man macht sich angreifbar und kann sich nicht mehr hinter der abstrakten Unternehmensmarke verstecken. Aus Angst vor dieser Verletzlichkeit entscheiden sich viele für den Weg einer glatten, fehlerfreien digitalen Version ihrer selbst. Sie wahren Distanz und Kontrolle, was zu jenen unangenehmen, viel zu perfekten Achievement-Postings führt.

Das Paradoxe: Wir predigen ständig "Authentizität im Marketing", leben selbst aber nur eine eigens kuratierte, künstliche Authentizität vor. Ein Image aufrechtzuerhalten, das man selbst gar nicht verkörpert, ist auf Dauer extrem anstrengend.


Fazit: Den Druck rausnehmen

Leistungsdruck, Imposter-Gedanken und innere Struggles sind real, wenn man als Personal Brand aktiv wird. Doch sie existieren neben wunderbaren Hochgefühlen: Dem Finden einer Community, erfahrener Wertschätzung und echten Support-Netzwerken.

Der Schlüssel liegt darin, den Fokus zu verschieben: Was wollen wir nachhaltig aus der Plattform mitnehmen, anstatt nur auf maximale Performance zu senden? Wir müssen nicht ständig glänzen, performen und hustlen. Wir dürfen Personal Branding genau so leben, wie es zu uns passt und uns guttut.

Quelle: SocialHub Mag #29


Lust auf noch mehr Social Media Wissen?

Lad dir jetzt unsere vollständigen SocialHub Mags kostenlos herunter: