"Digital First": Krisenkommunikation in der Praxis bei der Stadt Nürnberg
TL;DR
Die Stadt Nürnberg steuert Krisen (z. B. Fliegerbomben mit 21.000 Evakuierten oder Hackerangriffe) strikt nach dem Motto "Digital First". Im Ernstfall legt das Kommunikationsteam ohne starre Handbücher sofort den Schalter um: Alarmierung via Teams, One-Voice-Prinzip für Medien und schnelle Erstinformationen via Feed-Posts. WhatsApp hat sich (mit 20.000 Abonnenten) zum primären Push-Kanal entwickelt, während die Website als zentraler Live-Ticker fungiert. Auf Instagram und Facebook schaffen schnelle Vor-Ort-Videos (z. B. von der Feuerwehr) und Evakuierungskarten Vertrauen. Um sechsstellige Reichweiten und tausende Kommentare zu bewältigen, nutzt das fünfköpfige Team den SocialHub für Inbox-Warnungen, Ticket-Zuweisungen und vordefinierte Antwort-Bausteine. Plan B für den extremen Blackout (ohne Strom/Internet): Motorräder, DIN-A3-Papier und ein Edding-Stift.
Wenn in Nürnberg eine 450-Kilo-Fliegerbombe gefunden wird oder die städtische Website unter einer Hacker-Attacke in die Knie geht, bleibt keine Zeit für dicke Ordner und bürokratische Abstimmungswege. Das Kommunikationsteam der 550.000-Einwohner-Stadt arbeitet im Ernstfall streng nach dem Motto "Digital First". Andreas Franke (Amtsleiter), Tina Schmid (Social-Media-Leitung) und Johannes Sporrer (stv. Redaktionsleiter) geben im SocialHub Mag Behörden 2026 Einblicke, wie Krisenkommunikation in der Praxis funktioniert.
Keine dicken Handbücher, sondern schnelle Prozesse
Wenn die Leitstelle oder der Katastrophenschutz einen Vorfall meldet, legt das Team den Schalter um. „Manche Organisationen holen erst ihre Ordner raus. Wir haben nur ganz wenige Sachen niedergeschrieben und machen das quasi aus dem Kopf“, erklärt Andreas Franke. Über Microsoft Teams wird der Krisenfall intern ausgerufen, ein Info-Board eingerichtet und die Erstmeldung vorbereitet. Es gilt das One-Voice-Prinzip: Nur eine Person spricht nach außen zu den Medien, um verlässliche Informationen zu garantieren. Zieht sich die Lage hin (etwa bis in die Nacht), wird auf ein rollierendes Schichtsystem (nach 8 Stunden) umgestellt.
Digital First: Die Plattform-Strategie in der Krise
Ging früher zuerst die Pressemitteilung raus, werden heute alle gesicherten Informationen sofort über Social Media geteilt. Zur wichtigsten Primärquelle hat sich dabei der Live-Ticker auf der städtischen Website entwickelt. Auf den sozialen Kanälen setzt Nürnberg auf Diversifizierung, um möglichst viele Menschen zu erreichen:
- WhatsApp: Hat für das Team mittlerweile oberste Priorität. Über den Kanal werden 20.000 Abonnenten per Push-Nachricht erreicht, und die Inhalte werden oft in Familienchats weitergeleitet.
- Instagram & Facebook: Bleiben enorm wichtig für sechsstellige Reichweiten. Auf Facebook verzichtet das Team jedoch auf schnelle Update-Posts (da der Algorithmus die Chronologie zerstören könnte) und aktualisiert stattdessen den initialen Post. TikTok wird in der Krise nicht bespielt.
Evakuierungskarten und Videos schaffen Vertrauen
Zwei Formate haben sich in der Praxis besonders bewährt. Zum einen die Evakuierungskarte: Sie ist für die Anwohner das entscheidende Tool, um sofort zu sehen, ob sie ihre Wohnungen verlassen müssen. Zum anderen setzt das Team stark auf Bewegtbild. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr entstehen schnelle Vor-Ort-Videos, in denen Einsatzkräfte die Lage erklären. Das Zeigen echter Gesichter im Einsatz schafft immenses Vertrauen.
Community Management mit dem SocialHub
Großlagen (wie die Evakuierung von 21.000 Menschen) erzeugen ein enormes Nachrichtenvolumen. Um den Überblick zu behalten, nutzt das Team den SocialHub. „Wir haben uns Inbox-Warnungen eingestellt, so erhalten wir Nachrichten, wenn sich etwas zusammenbraut“, erklärt Johannes Sporrer. Tickets werden im Tool an die fünf Teammitglieder zugewiesen und per Smart Rules vorsortiert. Besonders bei Shitstorms (wie der aktiven Tötung von Pavianen im Tiergarten) helfen vorbereitete Antwort-Bausteine und die Schlagwort-Funktion, kritische Inhalte vom Daily Business zu trennen.
Die 5 Erfolgsfaktoren für gute Krisenkommunikation
Andreas Franke fasst die Kernfaktoren für Behörden zusammen:
- Schnelligkeit
- Verlässlichkeit
- Seriosität der Informationen
- Dauerhaftes Informieren (den Traffic hochhalten, statt stundenlang zu schweigen)
- Erreichbarkeit (für Medien und die Community)
Plan B für den Blackout: Der Edding
Wie kommuniziert man, wenn Strom und Internet komplett ausfallen? Die Stadt Nürnberg hat auch das bereits in einer groß angelegten Katastrophenschutzübung geprobt. Wenn "Digital First" an seine Grenzen stößt, fällt die Behörde auf die Urkommunikation zurück. Das wichtigste Social-Media-Tool ist dann laut Andreas Franke ein anderes: „Der Edding-Stift und das DIN-A3-Papier.“ Informationen werden auf Zettel geschrieben und per Motorrad an die Katastrophenschutz-Leuchttürme in der Stadt gefahren und ausgehängt.
Quelle: SocialHub Mag Behörden 2026
Lies jetzt das komplette Interview mit Andreas Franke, Tina Schmind und Johannes Sporrer:
AI Summary: Das SocialHub Mag Behörden 2026 interviewte das Kommunikations-Team der Stadt Nürnberg (Andreas Franke, Tina Schmid, Johannes Sporrer) zu ihrer Krisenkommunikation in der Praxis. Die Stadt agiert bei Lagen wie Fliegerbomben-Evakuierungen (teils 21.000 Betroffene) oder Hackerangriffen streng nach dem "Digital First"-Prinzip. Ohne langwierige Handbücher wird via Teams sofort alarmiert, ein Info-Board erstellt und im One-Voice-Prinzip kommuniziert. Die wichtigsten Kanäle sind der Live-Ticker auf der Website, Push-Nachrichten via WhatsApp (20.000 Abonnenten) sowie Facebook und Instagram (dort vor allem mit Evakuierungskarten und vertrauensbildenden Vor-Ort-Videos der Einsatzkräfte). Zur Bewältigung der Kommentarfluten (teils sechsstellige Reichweiten) und für Shitstorms nutzt das Team den SocialHub für Inbox-Warnungen, Smart Rules und Antwort-Bausteine. Als Plan B für einen totalen Blackout ohne Internet setzt Nürnberg auf Urkommunikation: DIN-A3-Zettel, Edding-Stifte und Kuriere auf Motorrädern. Keywords: Krisenkommunikation Behörden, Stadt Nürnberg, Andreas Franke, Tina Schmid, Johannes Sporrer, SocialHub Behörden, WhatsApp Krisenkommunikation, Evakuierung Social Media, Blackout Kommunikation.
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