„Die Gen Z informiert sich über Insta und TikTok“: Lokaljournalismus neu gedacht

Wie schafft man es als lokaler Zeitungsverlag, eine junge Generation anzusprechen, die keine klassischen (Print-)Medien mehr nutzt und der nachgesagt wird, dass sie nicht einmal mehr googelt? Mireya Lemke, stellvertretende Leiterin Digitales bei der Pforzheimer Zeitung (PZ-news), kennt die Antwort: Man muss die Nachrichten dorthin bringen, wo die Zielgruppe ist – auf TikTok, Snapchat und Instagram.


Lokalthemen für die Gen Z aufbereiten

Studien zeigen, dass sich mehr als die Hälfte der Gen Z täglich über das aktuelle Geschehen informiert. Themen wie Bildung, Klima, Nahverkehr oder Lokalpolitik sind für junge Menschen genauso relevant wie für Ältere – die Verpackung macht jedoch den Unterschied. Die PZ-news setzt daher auf schnelle Informationen in Echtzeit, Erklärvideos, Untertitel und eine für Mobilgeräte optimierte, prägnante Sprache.

Die Plattform-Strategie im Überblick:

  • Facebook: Mit 60.000 Abonnenten die reichweitenstärkste Plattform, dient aber eher als „Linkschleuder“ für ein älteres Publikum.
  • Instagram: Hier ist die Community größtenteils zwischen 25 und 34 Jahren alt. Ein abendlicher Nachrichtenüberblick in den Stories fasst die Top-Themen des Tages zusammen.
  • TikTok & Snapchat: Der wichtigste Kanal, um die Gen Z zu erreichen. Die Nutzer suchen hier direkt nach Themen. Videos müssen in den ersten zwei Sekunden catchen, oft hilft ein Greenscreen für einen dynamischen Hintergrund.

Live-Formate und echte Interaktion

Ein riesiger Trend in der Gen Z ist das Bedürfnis, "live dabei" zu sein. Die Pforzheimer Zeitung nutzt Instagram Live intensiv. Ob bei einem Großeinsatz der Feuerwehr, beim Public Viewing zur Fußball-EM oder bei Wahlen im Rathaus – das direkte Mitnehmen der Zuschauer schafft eine enorme Bindung. Auch interaktive Formate wie „Pro und Kontra“ in den Stories, bei denen Nutzer anonym abstimmen können, erzielen sehr hohes Engagement.


Investment in die Abonnenten von morgen

Können Social-Media-Follower in zahlende Abonnenten verwandelt werden? Ja, aber das Preismodell muss passen. Ein klassisches Zeitungsabo für 30 Euro ist für eine 18-jährige Person meist unrealistisch. Die PZ-news hat deshalb das „PZ Youngster-Abo“ für 2,99 Euro im Monat (für alle unter 25 Jahren) eingeführt. Dieser Preis entspricht einem Bäcker-Brötchen und wird von der Zielgruppe gut angenommen. Geworben wird für dieses Abo konsequenterweise ausschließlich auf Instagram und TikTok.


Community Management und Monetarisierung

Mit rund 11.600 Social-Media-Tickets im Monat ist das Community Management eine Herausforderung, die das Team strukturiert über den SocialHub abwickelt. Da unter Nachrichtenposts oft hitzig diskutiert wird, greift das Team nur ein, wenn Debatten respektlos oder rechtswidrig werden. Ein weiterer kluger Schachzug: Die PZ nutzt ihre hohe Reichweite bei der Gen Z auch für bezahlte Anzeigenkooperationen mit lokalen Betrieben. Eigene Formate wie der „Tasty Guide“ (Gastronomie) oder die „Azubi Weeks“ (Ausbildungsbetriebe) passen perfekt in die Lebenswelt der jungen Zielgruppe.

Quelle: SocialHub Mag #26


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