Das Fediverse: Social Media dezentral und demokratisch nutzen

Was, wenn Social Media demokratischer wäre und nicht von Algorithmen beherrscht? Im Fediverse ist dies längst Realität. Abseits der großen Konzerne hat sich ein alternatives Universum herausgebildet, das kooperativ und ohne Silodenken funktioniert. Sascha Foerster, Mitgründer der Agentur Bonn.digital und Betreiber der Instanz Bonn.social, gibt im Interview Einblicke in die Welt von Mastodon und Co.


Highlights: Warum das Fediverse für Unternehmen relevant ist

  • Unabhängigkeit: Keine Abhängigkeit von Konzernentscheidungen oder Milliardären; Unternehmen behalten die Kontrolle über ihre Inhalte und Kontakte.
  • Chronologischer Feed: Beiträge werden allen Followern angezeigt, statt von einem Algorithmus gefiltert zu werden.
  • Digitale Souveränität: Kontakte und Inhalte können exportiert und auf andere Server mitgenommen werden – ein Umzug bedeutet keinen Neustart bei null.
  • Datenschutz: Es findet kein Tracking von Nutzerverhalten für Werbezwecke statt; der Fokus liegt auf dem öffentlichen Austausch.
  • Inklusive Kultur: Das Fediverse legt großen Wert auf Barrierefreiheit, inklusive Sprache und starke Moderationswerkzeuge.

Was genau ist das Fediverse?

Das Wort Fediverse ist ein Kofferwort aus „federated“ und „universe“. Es bezeichnet ein föderiertes Netzwerk, in dem verschiedene soziale Medien (wie Mastodon für Microblogging, Pixelfed für Bilder oder PeerTube für Videos) über ein gemeinsames Protokoll – ActivityPub – miteinander kommunizieren können. Vergleichbar mit E-Mails können Nutzer verschiedener Anbieter problemlos interagieren, ohne auf jeder Plattform einen eigenen Account zu benötigen.


Kommunikation statt klassisches Marketing

Da im Fediverse keine Werbung geschaltet werden kann, müssen Unternehmen eine andere Art der Kommunikation pflegen. Hier steht das Zuhören und der echte Dialog im Vordergrund. Es ist ein Ort für Service, Feedback und Community Building. Besonders für Organisationen, die IT-Personal suchen oder im Bereich Open Source tätig sind, ist die Zielgruppe bereits aktiv vor Ort.


Best Practices: Behörden und Medien als Vorreiter

Während Konsumgüterhersteller noch zurückhaltend sind, nutzen öffentliche Einrichtungen das Fediverse bereits intensiv. Der Bundesdatenschutzbeauftragte, das Statistische Bundesamt und die Polizei Berlin sind Beispiele für Behörden, die eine barrierearme Alternative zu X (ehemals Twitter) suchen. Auch Medienhäuser wie das ZDF oder die Tagesschau betreiben eigene Instanzen, um ihre Unabhängigkeit von privaten Plattformbetreibern zu sichern.


Fazit: Proaktiv Alternativen aufbauen

Es ist nicht notwendig, alle Zelte auf herkömmlichen Plattformen abzubrechen. Doch angesichts der Unberechenbarkeit großer Netzwerke ist es für Unternehmen und Behörden ratsam, proaktiv alternative Kanäle im Fediverse aufzubauen. Jedes Unternehmen, das einen Blog oder eine Website besitzt, kann mit wenig Aufwand Teil dieses dezentralen Universums werden und so seine digitale Souveränität stärken.

Quelle: SocialHub Mag #23


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