Viral, aber falsch: Wie CORRECTIV gegen Desinformation auf Social Media kämpft

Ob reißerische Politikerzitate oder angebliche medizinische Sensationen – Falschinformationen begegnen uns in sozialen Netzwerken täglich und verbreiten sich oft wie ein Lauffeuer. Während Plattformbetreiber ihre Kooperationen mit Faktencheckern teilweise zurückfahren, wird die Arbeit von Organisationen wie CORRECTIV immer wichtiger. Laura Seime aus dem Faktencheck-Team gibt im Interview Einblicke in ihren Alltag und erklärt, wie wir die digitale Informationslandschaft positiv mitgestalten können.


Highlights: Das Wichtigste im Überblick

  • Kontext ist alles: Viele Falschmeldungen entstehen nicht durch komplette Erfindungen, sondern durch aus dem Zusammenhang gerissene Videos oder Bilder.
  • Reichweite als Filter: CORRECTIV prüft vorrangig Inhalte mit hoher viraler Dynamik, um kleinen Falschmeldungen nicht unnötig Aufmerksamkeit zu schenken.
  • Schadenspotenzial: Entscheidend für eine Prüfung ist die Frage, ob eine Information realen Schaden (z. B. gesundheitlich oder gesellschaftlich) anrichten kann.
  • Plattform-Verantwortung: Unternehmen und Marken tragen Verantwortung für ihre Community und müssen Kommentarspalten aktiv gegen Desinformation moderieren.
  • Transparenz schafft Vertrauen: Faktenchecks sollten Recherchewege offenlegen, damit Leser die Schritte selbst nachvollziehen können.

Der Arbeitsalltag in der Faktencheck-Redaktion

Das Faktencheck-Team bei CORRECTIV besteht aus rund 15 Spezialistinnen und Spezialisten, die unabhängig von investigativen Bereichen arbeiten. Der Fokus liegt auf dem täglichen Monitoring sozialer Netzwerke wie Instagram und TikTok sowie dem Auswerten von Hinweisen, die über einen eigenen WhatsApp-Chatbot eingehen. In täglichen Konferenzen wird entschieden, welche viralen Themen eine tiefergehende Recherche erfordern.

Dabei geht es nicht nur um die Prüfung von Aussagen. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, den ursprünglichen Kontext von Medieninhalten wiederherzustellen. Häufig werden beispielsweise satirische Beiträge oder Parodie-Accounts (wie etwa von Bundespräsident Steinmeier) geteilt, wobei der Hinweis auf die Satire verloren geht, was zu massiven Fehlinterpretationen führt.


Herausforderungen durch Algorithmen und KI

Die Seriosität von Quellen einzuschätzen, fällt vielen Nutzern zunehmend schwerer. Auf Social Media stehen fundierter Journalismus und unseriöse Accounts oft gleichberechtigt nebeneinander und nutzen dieselben Mechanismen zur Reichweitensteigerung. Besonders problematisch ist die Entwicklung bei großen Playern wie Meta, die ihre Faktencheck-Programme in einigen Regionen bereits eingeschränkt haben.

Laura Seime betont, dass Faktenchecker keine Inhalte löschen können, sondern lediglich Informationen verlinken, um Fakten frei zugänglich zu machen. Das Ziel ist die Stärkung der Medienkompetenz. Projekte wie REPORTER4YOU richten sich dabei speziell an Jugendliche, um sie frühzeitig für die Gefahren von Desinformation zu sensibilisieren.


Was Community Manager konkret tun können

Für Social Media- und Community Manager gibt es klare Handlungsempfehlungen im Umgang mit potenziellen Falschmeldungen. Erstens: Bei zweifelhaften Behauptungen in Kommentaren aktiv nach Quellen fragen oder auf bestehende Faktenchecks verweisen. Zweitens: Solche Inhalte niemals ungeprüft weiterverbreiten, um die virale Kette zu unterbrechen.

Drittens ist ein gesundes Community Management essenziell. Dazu gehört, Kommentarspalten im Blick zu behalten, Hassrede konsequent zu moderieren und gleichzeitig Raum für konstruktive, faktenbasierte Debatten zu lassen. Eine klare Netiquette hilft dabei, die Diskussionsebene sachlich zu halten.


Fazit: Gemeinsam für einen faktenbasierten Diskurs

Der Kampf gegen Desinformation ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Während Faktencheck-Organisationen die professionelle Analyse liefern, sind Nutzer und Unternehmen gleichermaßen gefordert, kritisch zu bleiben. Wer sich aktiv einbringen möchte, kann das CORRECTIV-Faktenforum nutzen oder verdächtige Inhalte direkt an die Redaktion melden. Nur durch Transparenz und Bildung lässt sich langfristig ein sicherer digitaler Informationsraum schaffen.

Quelle: SocialHub Mag #27


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